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Stephen L. Carter: Schachmatt

Diesen Roman, geschrieben von einem amerikanischen Rechtsanwalt, lieh ich mir von einer Bekannten aus, weil sie erstens über ihn sprach und weil mich zweitens ihr Büchergeschmack interessierte und ich drittens mit ihr über ihn diskutieren möchte. Eigentlich sind nur die Ausführungen über die Rassenungleichheiten in den USA bis in die heutige Zeit und einige Bemerkungen über egoistische Verhaltensmuster vieler Individuen westlicher Gesellschaften lesenswert. Die Handlung des 850 Seiten umfassenden „Thrillers“ zieht sich hin wie ein Kaugummi und ein Spannungsbogen ist nirgends auszumachen. Die Anlehnungen an Figurenkonstalliationen beim Schachspiel in den Kaptitelüberschriften sind ebenso konstruiert wie der gesamte Verlauf der Story. Der konservative Protagonist, ein Juraprofessor, der wie der Autor der afroamerikanischen Oberschicht angehört, steckt in einer imaginären Zwangsjacke gesellschaftlicher und religiöser Dogmen und lässt sich von seiner, ebenfalls schwarzen, untreuen Ehefrau hintergehen. Ihre Karriere und ihre außerehelichen Abenteuer sind ihr wichtiger als Mann und Sohn. Aber der gute Protagonist, eifriger Christ und freiwilliger Helfer in einer wohltätigen Suppenküche, nimmt alle Schuld auf sich, wie es ihm sein Referent befiehlt. Abschließend muss ich Carter bitten: „Anwalt bleib bei deinen Paragraphen!“

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