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Ernest Feydeau: Fanny

Dieser Roman, der mich vor allem durch seine dynamische und bildhafte Sprache in den Bann zog, erschien 1858 in Paris und war ein Sensationserfolg. Feydau erzählt in seinem einzigen erfolgreichen kurzen Werk eine Dreiecksgeschichte aus der Sicht eines jungen Liebhabers, den seine Eifersucht in den Wahnsinn treibt. Als Leser spürt man das seelische Leiden des Ich-Erzählers, wenn er seine Gefühle bis ins kleinste Teil seziert, und dabei in Selbstmitleid versinkt. Diese wirklich beeindruckende psychologische Studie über einen Ehebrecher, den die Eifersucht packt, stellt in der Weltliteratur eine Ausnahme dar, weil es in der Regel immer die gehörnten Ehemänner sind, die an der Untreue ihrer Ehefrau zerbrechen und nicht selten an ihrem Gegenspieler rächen. Feydeaus „Etude“, so nannte der Autor sein Büchlein, ist mehr als 150 Jahre nach seinem Erscheinen lesenswert, obwohl sich die Sitten in unserer Zeit sehr geändert haben. Allerdings wird es Eifersucht, von der jeder von uns in der Regel sicher mindestens einmal in seinem Leben betroffen ist, so lange geben, wie es Menschen gibt. Und bis dahin wird es zu diesem Thema noch viel zu erzählen geben. Aber nicht unbedingt so etwas lesenwertes wie der Roman „Fanny“ von Ernest Feydeau.

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