Diese Biografie, die dem Menschen Heinrich Böll sehr nahe kommt,
gefiel mir sehr gut, denn sie enthüllte für mich viel Neues über den
Autor. Besonders seine so genannte „Fahnenflucht“ aus der Wehrmacht,
verbunden mit krankmachender Selbstmedikation, hat mich sehr
beeindruckt! Als Kind bzw. Jugendlicher hörte ich von den Erwachsenen
ständig dieselbe Ausrede: „Wir konnten ja nichts gegen Hitler und den
Krieg machen“. Diese Aussage wird wieder einmal ad absurdum geführt!!! In
diesem Fall durch den sehr stark vom Ur-Katholizismus geprägten
Humanisten Böll. Zudem hat mich sein Auftreten in den spießigen und
reaktionären 50er und 60er Jahren, in denen er nicht selten angefeindet
wurde, sehr imponiert. Das gilt später ebenso für seinen Einsatz gegen
die Stationierung der Pershingraketen. Als herausragenden Autor würde
ich ihn allerdings nicht bezeichnen, er war eher der Schriftsteller, der
mit seinen Romanen und Erzählungen den Finger in die Wunde des
Zeitgeistes des Wirtschaftswunders legte, siehe oben, und damit nicht
wenigen Menschen, denen die Flucht in den Konsum und die mangelnde
Auseinandersetzung mit der Nazivergangenheit zuwider war, aus der Seele
sprach. Auch Bölls Außenwirkung als Botschafter eines neuen, sich
verändernden Deutschlands in Form der BRD ist letztlich nicht zu
unterschätzen!
Das Buch, welches mir von einem Rankin-Fan empfohlen und ausgeliehen wurde, bietet eine unerträgliche Aneinanderreihung von Klischees und Allgemeinplätzen sowie jede Menge an platten Sätzen wie folgende: „Der Gangster bleckte grinsend ein kostspieliges Gebiss. Dann sog er schnüffelnd die Luft ein und schlenderte zur anderen Seite der Brücke.“ Lese-Qual statt Lese-Vergnügen, Zumutung statt Unterhaltung!
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