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Gabriele Hoffmann: Heinrich Böll – Eine Biographie –

Diese Biografie, die dem Menschen Heinrich Böll sehr nahe kommt, gefiel mir sehr gut, denn sie enthüllte für mich viel Neues über den Autor. Besonders seine so genannte „Fahnenflucht“ aus der Wehrmacht, verbunden mit krankmachender Selbstmedikation, hat mich sehr beeindruckt! Als Kind bzw. Jugendlicher hörte ich von den Erwachsenen ständig dieselbe Ausrede: „Wir konnten ja nichts gegen Hitler und den Krieg machen“. Diese Aussage wird wieder einmal ad absurdum geführt!!! In diesem Fall durch den sehr stark vom Ur-Katholizismus geprägten Humanisten Böll. Zudem hat mich sein Auftreten in den spießigen und reaktionären 50er und 60er Jahren, in denen er nicht selten angefeindet wurde, sehr imponiert. Das gilt später ebenso für seinen Einsatz gegen die Stationierung der Pershingraketen. Als herausragenden Autor würde ich ihn allerdings nicht bezeichnen, er war eher der Schriftsteller, der mit seinen Romanen und Erzählungen den Finger in die Wunde des Zeitgeistes des Wirtschaftswunders legte, siehe oben, und damit nicht wenigen Menschen, denen die Flucht in den Konsum und die mangelnde Auseinandersetzung mit der Nazivergangenheit zuwider war, aus der Seele sprach. Auch Bölls Außenwirkung als Botschafter eines neuen, sich verändernden Deutschlands in Form der BRD ist letztlich nicht zu unterschätzen!

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