Der österreichische Autor weiß viel, besser gesagt er hat sehr viel
zu sagen und deshalb umfasst sein 2009 erschienener Roman rund 700
Seiten. Er schrieb ihn nach seinem Debüt „Söhne und Planeten“. Clemens
J. Setz erzählt in seiner collagenartigen Geschichte, die in seiner
Heimatstadt Graz spielt, von zwei miteinander befreundeten Jungen,
Alexander Kerfuchs und Walter Zmal, die sich nach einem längeren
Zeitraum wieder treffen. In dieser Erzählung geht es vorwiegend um die
Nähe und Distanz zu ihren Vätern, mit denen sie in Konflikt stehen bzw.
standen. Aber es geht auch um Einsamkeit, Nähe und nicht im geringen
Maße um Sex, der ausgeschmückt und variantenreich geschildert wird. Und
genau das ist für mich der zu bekrittelnde Punkt dieses mit Stilblüten
gespickten Familienromans: Das ausschweifende und oftmals ausschmückende
Erzählen, bei dem man als Leser recht schnell den Faden verliert! Mein
Fazit: Großer Einfallsreichtum und übersprudelnde Fantasie bilden für
mich nicht allein die Grundlage eines guten und überzeugenden Autors.
Aber was nicht ist, kann ja noch werden, denn Ansätze dazu hat Clemens
J. Setz durchaus. Allerdings muss ja nicht gleich jeder österreichische
Autor wie Robert Musil schreiben können!
Das Buch, welches mir von einem Rankin-Fan empfohlen und ausgeliehen wurde, bietet eine unerträgliche Aneinanderreihung von Klischees und Allgemeinplätzen sowie jede Menge an platten Sätzen wie folgende: „Der Gangster bleckte grinsend ein kostspieliges Gebiss. Dann sog er schnüffelnd die Luft ein und schlenderte zur anderen Seite der Brücke.“ Lese-Qual statt Lese-Vergnügen, Zumutung statt Unterhaltung!
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